Kapitel 3

Clara erzählte Birgit, dass sie sich scheiden ließ und ihr gemeinsames Büro, „Phoenix Architektur“, in Berlin gründen wollte. Birgit, immer loyal, stellte keine Fragen und begann sofort, alles zu organisieren. Der Name fühlte sich richtig an. Ein neues Leben, das aus der Asche ihres alten aufstieg.

Die nächste Woche lebte Clara in einem Rausch der Aktivität. Sie kaufte Bücher über modernes Design, Bauvorschriften und Unternehmensführung. Sie verbrachte Stunden online, studierte die Arbeiten von Top-Architekten, ihr Geist summte wieder vor kreativer Energie, die sie jahrelang unterdrückt hatte. Sie spürte, wie ein Teil von ihr, der lange geschlummert hatte, erwachte.

Sie rief Ben nicht an. Sie besuchte das Krankenhaus nicht. Sie ignorierte die Nachrichten seiner Mutter, die wissen wollte, warum sie nicht an der Seite ihres Mannes war. Sie baute eine Brandschutzmauer um ihr Herz, Stein für Stein.

Eine Woche später, am Tag ihres dritten Hochzeitstages, kam Ben nach Hause. Er fand sie im Arbeitszimmer, umgeben von Stapeln von Büchern und Bauplänen.

Er sah überrascht aus. „Was ist das alles?“

„Ich fange wieder an zu arbeiten“, sagte Clara, ohne von ihrem Zeichentisch aufzublicken. „Birgit und ich gründen unser eigenes Büro.“

„Das ist… großartig“, sagte er, obwohl er eher verwirrt als erfreut klang. Er war es gewohnt, dass sich ihr Leben um ihn drehte. „Ich schätze, du wirst keine Zeit mehr haben, meine Mahlzeiten für die Genesung nach der Operation zu kochen.“

Clara sah ihn endlich an. Ihr Blick war kühl, distanziert. „Nein. Werde ich nicht.“

Er erinnerte sich, wie sie sich früher um ihn gekümmert hatte, ein winziger Papierschnitt brachte seiner Hand einen Verband und eine Woche ihrer besorgten Aufmerksamkeit ein. Ihre plötzliche Gleichgültigkeit war seltsam, aber er tat sie ab. Er war müde.

„Nun, ich unterstütze dich“, sagte er, die Worte fühlten sich sogar für ihn hohl an. „Es ist gut für dich, ein Hobby zu haben.“

Ein Hobby. Drei Jahre Ehe, und er sah ihre lebenslange Leidenschaft immer noch als Hobby.

„Ben“, begann sie mit leiser Stimme. „Wenn ich sagen würde, ich will die Scheidung, würdest du dagegen ankämpfen?“

Bevor er antworten konnte, klingelte sein Telefon. Er blickte auf den Bildschirm. Es war Ariana.

„Entschuldige mich“, sagte er, ging in sein Arbeitszimmer und schloss die Tür.

Clara konnte das leise Murmeln seiner Stimme hören, den sanften, beruhigenden Ton, den er bei ihr nie benutzte. Sie musste die Worte nicht hören. Sie wusste es. Sie wandte sich wieder ihren Bauplänen zu, ihre Entschlossenheit verhärtete sich zu Stahl.

Später am Abend kam er aus dem Arbeitszimmer. „Ich führe dich zu unserem Jahrestag aus“, verkündete er.

Sie stimmte zu. Es gab noch eine letzte Sache, die sie sehen musste.

Er fuhr sie zu einem schicken Restaurant in der Innenstadt. Er hielt am Bordstein an. „Ich gehe parken. Geh du schon mal rein.“

Sie stieg aus dem Auto und sah ihm nach, wie er wegfuhr. Ein paar Minuten später kam er zurück, nicht allein. Er hielt einen riesigen Strauß weißer Gardenien und eine wunderschön verpackte Geschenkbox in der Hand. Für eine schwindelerregende Sekunde stockte ihr Herz. Er hatte ihr nie Blumen geschenkt. Nicht ein einziges Mal.

„Ben…“, begann sie, ein Funke alter, törichter Hoffnung entzündete sich in ihr.

Und dann erschien Ariana an seiner Seite und hakte sich bei ihm unter.

„Clara! So schön, dich zu sehen“, sagte Ariana, ihr Lächeln strahlend und triumphierend. „Ben hat mir erzählt, dass du mit uns feierst, um den erfolgreichen Neustart meiner Galerie zu zelebrieren. Das ist so süß von dir.“

Der Funke der Hoffnung erlosch und wurde zu Asche.

Ben schien Claras erstarrten Gesichtsausdruck nicht zu bemerken. Er lächelte Ariana an.

„Die sind für dich“, sagte er und reichte ihr die Blumen und das Geschenk. „Eine kleine Aufmerksamkeit zum Feiern.“

Es war für Ariana. Natürlich war es für Ariana. Das Abendessen, die Blumen, das Geschenk. Sie war nur das dritte Rad am Wagen. Eine Requisite in ihrer perfekten Liebesgeschichte.

„Oh, Ben, du hast daran gedacht“, säuselte Ariana und vergrub ihr Gesicht in den Gardenien. „Das sind meine Lieblingsblumen.“ Sie packte das Geschenk aus, um die Diamantkette zu enthüllen, auf die er sich so gefreut hatte. „Und das… das ist genau die, die ich letzten Monat auf mein Inspirationsboard gepinnt habe. Woher wusstest du das?“

„Nur ein glücklicher Zufall“, sagte Ben, seine Augen auf Ariana gerichtet, ein weicher, liebevoller Ausdruck auf seinem Gesicht.

Clara spürte, wie ihr die Luft aus den Lungen wich. Sie erstickte. Sie streckte die Hand aus und nahm den Strauß aus Arianas Händen, zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht.

„Lass mich die für dich halten“, sagte sie mit angestrengtem Flüstern. Ihre Hände zitterten.

Ariana strahlte. „Danke, Clara. Du bist so eine gute Ehefrau.“

Die Worte waren ein Hohn. Clara wusste da, dass Ben sie nicht nur mitgebracht hatte. Er hatte sie benutzt. Er hatte ihren Jahrestag als Vorwand benutzt, um mit der Frau zu feiern, die er wirklich liebte. Sie war nicht seine Frau. Sie war seine Ausrede.

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