Kapitel 3

Emilys Perspektive:

Kilians Blick, einst eine warme Umarmung, war nun so kalt und scharf wie zersplittertes Eis. Er starrte in die Dunkelheit, in der ich erstarrt war, sein Gesichtsausdruck unleserlich, aber eine gefährliche Stille ausstrahlend.

Instinktiv zog er sich von Vanessa zurück, sein Körper spannte sich an wie ein Raubtier, das eine Bedrohung gewittert hatte. Er kniff die Augen zusammen, um sich an die Dunkelheit jenseits des Scheinwerferlichts zu gewöhnen.

„Emily?“

Seine Stimme war ein leises Knurren des Unglaubens. Er stieß die Autotür auf, der teure Mechanismus seufzte leise in der stillen Straße. Er ging auf mich zu, sein maßgeschneiderter Anzug ein krasser Kontrast zum Schmutz der Gasse.

„Was machst du hier?“, fragte er, sein Ton eine seltsame Mischung aus Besorgnis und Verärgerung. „Es ist nicht sicher.“

„Was machst du hier, Kilian?“, schoss ich zurück, meine Stimme zitterte vor einer Wut, von der ich nicht gewusst hatte, dass ich sie besaß. Ich rappelte mich auf und bürstete den Schmutz von meiner Jeans.

Bevor er antworten konnte, stieg Vanessa aus dem Auto und wickelte sich einen Seidenschal um den Hals. Sie glitt an Kilians Seite und hakte sich bei ihm unter.

„Oh, Emily, du bist es“, sagte sie, ihre Stimme triefte vor klebriger Süße. „Killy hat mir nur gezeigt, wo er aufgewachsen ist. Es ist so … rustikal.“ Sie sah mich an, ihre Augen weit aufgerissen vor gespielter Unschuld. „Es tut mir so leid, was in der Schule zwischen uns passiert ist. Ich war nur ein dummes, eifersüchtiges kleines Ding. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.“

„Lass es“, schnappte ich und durchbrach ihre Vorstellung. „Lass es einfach, Vanessa.“

Ihre Fassade bröckelte für eine Sekunde, ein triumphierendes Flackern in ihren Augen, bevor sie ihr Gesicht in Kilians Brust vergrub und ihre Schultern zu beben begannen vor fabrizierten Schluchzern. „Es tut mir leid“, wimmerte sie in seinen teuren Anzug. „Ich versuche nur, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.“

Kilians Arme schlangen sich sofort um sie, zogen sie an sich und strichen ihr über das Haar. Er blickte über ihren Kopf hinweg zu mir, seine Stirn in enttäuschte Falten gelegt. „Emily, das reicht. Sie versucht, sich zu entschuldigen.“

Die Ungerechtigkeit traf mich wie ein körperlicher Schlag. Mein Herz, von dem ich dachte, es sei bereits zerbrochen, schien noch einmal zu brechen. Er. Verteidigte sie.

Meine Gedanken blitzten zurück zur Schulzeit. Zu Vanessa und ihren Freundinnen, die mich in der Umkleidekabine in die Enge getrieben hatten, ihr Lachen hallte von den gefliesten Wänden wider, während sie mich festhielten. Vanessa hatte mit einem selbstgefälligen Lächeln eine Zirkelspitze benutzt, um ein Wort in die weiche Haut meines Handgelenks zu ritzen: *Wertlos*.

Die körperliche Wunde war zu einer feinen, silbrigen Linie verheilt, aber die seelische hatte jahrelang geeitert. Ich hatte sie versteckt, mich geschämt, bis ich Kilian traf. Er war derjenige gewesen, der sanft meine Hand genommen, die Narbe mit seinem Daumen nachgezeichnet hatte, seine Augen dunkel vor beschützerischer Wut.

„Wer hat dir das angetan?“, hatte er gefordert, seine Stimme ein leises Knurren.

Als ich ihren Namen flüsterte, hatte er einen Schwur geleistet. „Ich werde sie ruinieren, Emily. Für dich. Ich werde sie für jede Träne bezahlen lassen, die du vergossen hast.“

Es war ein Versprechen, das er nie gehalten hatte. Stattdessen hatte er sich in das Monster verliebt, das er zu vernichten geschworen hatte. Die Ironie war so bitter, dass sie sich wie Gift anfühlte.

„Emily?“, Kilians Stimme riss mich in die Gegenwart zurück. Er sah mich mit diesem vertrauten, ungeduldigen Stirnrunzeln an. „Willst du da einfach nur rumstehen?“ Er deutete auf den Maybach. „Steig ins Auto. Wir bringen dich nach Hause.“

„Oh ja, bitte komm mit uns“, mischte sich Vanessa ein und hob ihr tränenüberströmtes Gesicht von seiner Brust. Ihre Augen waren jedoch kalt und scharf vor Triumph. „Wir können alle Freunde sein.“ Sie trat auf mich zu, ihre Hand ausgestreckt, als wollte sie mir aufhelfen.

Als sie nach meinem Arm griff, gruben sich ihre perfekt manikürten Finger in die empfindliche Haut um meine alte Narbe. Es war eine kleine, fast unmerkliche Bewegung, aber der scharfe Stich ihrer Nägel war absichtlich, eine grausame, private Botschaft nur für mich.

Ein Schmerzenslaut entfuhr meinen Lippen, und ich riss meinen Arm zurück. Die plötzliche Bewegung brachte Vanessa aus dem Gleichgewicht. Sie stolperte mit einem theatralischen Schrei rückwärts und brach auf dem schmutzigen Pflaster in einem Haufen Designerkleidung und gespielter Not zusammen.

Kilians Reaktion war augenblicklich. Er sah sie fallen, sah mich zurückzucken, und sein von seiner Verliebtheit getrübter Verstand zog die einzig mögliche Schlussfolgerung.

Er dachte, ich hätte sie geschubst.

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Das Lügennetz meines Milliardär-Ehemanns

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