Kapitel 3

„Mir geht es gut“, antwortete Noreen, ihre Stimme so gleichmäßig klingend, dass sie eher wie eine Aufnahme als die Stimme eines Menschen wirkte.

Caiden hob schließlich den Blick von der Zeitschrift. Sein kühler Blick verweilte einen Moment auf ihrem ungeschminkten Gesicht, bevor er zu dem Ehering an ihrem Finger glitt.

Für den kürzesten Augenblick glaubte sie, ein Hauch von Wärme habe seine markanten Züge gemildert, doch noch bevor sie sich sicher sein konnte, war er wieder verschwunden.

„Heute Nachmittag besuchen wir meine Eltern“, sagte Caiden mit flacher Stimme.

Ein instinktiver Drang, abzulehnen, zog sich schmerzhaft in ihrer Brust zusammen.

Allein der Gedanke, nach Hause zurückzukehren, ließ sie innerlich zurückweichen, denn dort erfüllte Caidens Mutter, Ivy Evans, das Haus mit stiller, erdrückender Verachtung.

Bevor sie etwas sagen konnte, fuhr er mit knapper Stimme fort: „Ich habe ihnen bereits gesagt, dass du dort sein wirst. Mach es nicht kaputt.“

Die Worte, die sie gerade hatte sagen wollen, verdorrten auf ihrer Zunge.

Sie senkte den Blick und rührte den Haferbrei noch einmal um, obwohl ihr schon beim Gedanken ans Essen der Magen umdrehte.

Sein Blick glitt erneut über sie, und eine leichte Falte erschien auf seiner Stirn. „Was stimmt mit dem Haferbrei nicht? Schmeckt er dir nicht?“

„Er ist in Ordnung“, antwortete sie leicht. „Ehrlich gesagt ist es der beste Haferbrei, den ich je gegessen habe, wirklich perfekt.“

Seine Lippen öffneten sich, als läge ihm etwas auf der Zunge, doch er schluckte die Worte wieder hinunter.

Ohne ein Wort schoben seine langen, eleganten Finger eine dunkelgrüne Geschenktüte über den Tisch. Goldene Schriftzüge schimmerten auf der Samtoberfläche und fingen das schräge Morgenlicht ein.

Noreens Blick blieb darauf ruhen, während sich die Erkenntnis in ihrer Brust zusammenzog.

Das Logo gehörte zu dem Juwelier, den die Frauen der Familie Evans besonders liebten. Neue Kollektionen wurden immer direkt auf ihr Anwesen geschickt, damit sie die Stücke dort in Ruhe auswählen konnten.

Sie machte keine Anstalten, die Tüte anzunehmen. Stattdessen öffnete sie sie mit einer leichten Bewegung und legte eine dunkelblaue Samtschachtel frei, die darin lag.

„Trag es heute Nachmittag, wenn wir zurückfahren. Sonst kommen die Leute noch auf falsche Gedanken und denken, ich würde mich nicht um dich kümmern“, murmelte Caiden mit absichtlich beiläufigem Ton, als hätte das alles keine Bedeutung.

Noreens Finger spannten sich leicht in ihrer Handfläche an.

„In Ordnung“, antwortete sie so leise, dass ihre Stimme im stillen Raum fast unterging.

Er hob schließlich den Kopf, und sein kühler Blick streifte ihr nacktes Schlüsselbein, bevor er ohne jede Spur von Wärme wieder fortglitt.

„Es ist nichts Besonderes“, fügte er steif hinzu, beinahe defensiv. „Nur etwas, das ich nebenbei mitgenommen habe.“

Für einen Moment breitete sich Stille zwischen ihnen aus. Dann fuhr er fort, als hätte er das Gefühl, noch etwas hinzufügen zu müssen: „Ich wollte es ohnehin wegwerfen, also dachte ich, ich kann es dir genauso gut geben.“

„Mm.“ Noreens leise Antwort trug weder Gewicht noch Wärme. Mit derselben Gleichgültigkeit schob sie die Tüte ein Stück zur Seite.

Sonnenlicht strömte durch die großen Panoramafenster und zog eine blassgoldene Linie, die den Raum und auch sie beide voneinander zu trennen schien.

Caiden beobachtete, wie ihre gesenkten Wimpern einen zarten Schatten auf ihre Wangen warfen. Für einen Moment hob sich seine Hand, als wolle er ihr übers Gesicht streichen, doch die Bewegung stockte auf halbem Weg. Seine Finger krümmten sich wieder ein, und stattdessen griff er nach der Kaffeetasse.

„Vielleicht solltest du öfter lächeln, anstatt den ganzen Tag mit diesem düsteren Gesicht herumzulaufen. Das drückt irgendwie die Stimmung“, murmelte er schließlich.

Eine leichte Brise wehte durch das Fenster und bewegte eine lose Haarsträhne neben Noreens Ohr, während er aufstand, um zu gehen.

Erst als seine Schritte oben an der Treppe verklangen, öffnete Noreen vorsichtig die Schmuckschachtel.

Darin lag eine Smaragdkette, deren tiefgrüner Glanz das Morgenlicht einfing.

Das Design erinnerte stark an das Stück, das Cheryl am häufigsten getragen hatte, auch wenn sie sich nicht ganz sicher war.

Die Geschenke, die Caiden ihr gab, waren immer gedankenlos gewählt, und dieses fühlte sich nicht anders an, nur irgendein Schmuckstück, das er ohnehin wegwerfen wollte, wie ein übrig gebliebenes Werbegeschenk, das ihm völlig gleichgültig war.

„Oh? Ist diese Kette nicht eines der alten Stücke von Frau Cheryl Evans?“ Gretas neugierige Stimme klang von hinten herüber, leise und doch deutlich.

Sie arbeitete schon seit vielen Jahren für die Familie Evans und war stets an Cheryls Seite gewesen. Nachdem Noreen in die Familie eingeheiratet hatte, beauftragte Cheryl Greta, sich um sie zu kümmern.

Überrascht blinzelte Noreen und war von der Bemerkung sichtlich überrumpelt. „Wirklich?“

Greta beugte sich näher heran, betrachtete den Smaragd sorgfältig und nickte dann mit ruhiger Überzeugung. „Ich bin mir sicher. Frau Cheryl Evans hatte zwei identische Ketten, und beide wurden an Herrn Evans weitergegeben.“

Ein warmer Ausdruck erschien auf Gretas Gesicht, als sie zu lächeln begann. „Wenn er Ihnen diese gibt, bedeutet das, dass Sie noch immer einen Platz in seinem Herzen haben.“

Mit einem flüchtigen Blick zur Treppe schwieg Noreen und ließ Greta die Kette vorsichtig um ihren Hals legen.

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