Kapitel 2

Die kalifornische Morgensonne strömte durch die bodentiefen Fenster des Esszimmers des Farrell-Anwesens.

Ayla saß am langen Mahagonitisch, ihr Gesicht völlig ausdruckslos, während sie leise in ihre Spiegeleier schnitt.

Schritte hallten auf der großen Treppe wider.

Axel kam herunter, gekleidet in einen perfekt sitzenden Anzug von Tom Ford. Er tippte auf seinen Bluetooth-Kopfhörer im Ohr und bellte jemandem in der Personalabteilung eine Kündigungsanweisung zu.

Er zog den Stuhl gegenüber von Ayla heraus und setzte sich.

Er sah sie nicht an. Er wartete nur aus reiner Gewohnheit darauf, dass Ayla aufstand und ihm seinen schwarzen Kaffee einschenkte.

Ayla rührte sich nicht. Sie nahm einen langsamen Bissen von ihrem Essen.

„Die Kaffeekanne steht rechts von dir", sagte sie mit flacher, jeder Wärme beraubter Stimme.

Axels Hand hielt auf dem Tisch inne. Endlich sah er sie an, seine Stirn legte sich in Falten, als er den plötzlichen Temperaturabfall bemerkte.

Er tippte auf seinen Ohrhörer und beendete das Gespräch.

Sein Gesichtsausdruck wurde weicher und verwandelte sich in eine Maske sanfter Besorgnis. Er beobachtete sie genau, seine Augen suchten ihr Gesicht nach jedem Anzeichen dafür ab, was sie wusste. Die Panik der letzten Nacht war verschwunden, ersetzt durch eine kalkulierte Vorstellung. „Bist du verärgert, weil ich gestern Abend so spät nach Hause gekommen bin, Liebling?"

Ayla hob langsam die Augen. Sie erwiderte seinen Blick mit einem toten, leeren Starren.

„War das Treffen wirklich so wichtig?", fragte sie.

Axel blinzelte nicht. „Alles, was ich tue, dient dem Plan der Farrell Group, an der Nasdaq die Glocke zu läuten. Das weißt du doch."

Bevor Ayla antworten konnte, schwangen die schweren Türen des Esszimmers auf.

Martha, die leitende Haushälterin, kam herein, dicht gefolgt von Axels persönlichem Assistenten, Jared.

Jared ging direkt auf Ayla zu und stellte eine große, ikonische orangefarbene Schachtel direkt vor ihrem Teller auf den Tisch.

Axel lehnte sich in seinem Stuhl zurück, ein selbstgefälliges, triumphierendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Aber sein Lächeln erreichte seine Augen nicht ganz, die starr auf sie gerichtet blieben und suchten. „Mach sie auf. Ein Friedensangebot."

Ayla starrte auf die Schachtel. Sie streckte die Hand aus und zog das braune Band auf.

Sie hob den Deckel an. Im Inneren, in einem samtenen Staubbeutel, lag eine Himalayan-Krokodil-Birkin-Bag. Eine der seltensten Taschen der Welt.

„Ich habe mein New Yorker Büro sie aus einer privaten Auktion ziehen lassen, bevor sie überhaupt öffentlich wurde", sagte Axel, sein Tonfall triefte vor Selbstzufriedenheit.

Ayla blickte auf die Tasche hinab. Sie kostete Hunderttausende von Dollar.

Ihre Brust zog sich mit einem widerlichen Gefühl der Demütigung zusammen. Er behandelte sie wie ein Haustier. Warf ihr ein teures Spielzeug hin, um sie ruhig und gehorsam zu halten.

Ayla schob die schwere orangefarbene Schachtel von sich. Sie glitt über das polierte Holz.

„Ich brauche das nicht", sagte sie kalt.

Axels Lächeln verschwand augenblicklich. Sein Kiefer spannte sich an.

„Sei nicht unvernünftig, Ayla", fuhr er sie an, seine Geduld verflog. „Ich habe keine Zeit für Wutanfälle."

Das Geräusch von Stöckelschuhen, die scharf auf dem Marmorboden klackten, unterbrach sie.

Die Haupttüren öffneten sich weiter, und Axels Mutter, Heda, marschierte ins Esszimmer, flankiert von zwei ihrer eigenen Assistentinnen.

Heda würdigte Ayla keines Blickes. Sie ging direkt auf Axel zu und legte eine Hand auf seine Schulter. „Wie lief das Networking gestern Abend?"

Dann drehte Heda den Kopf. Ihre scharfen, kritischen Augen wanderten über Aylas Körper, hielten an und verweilten auf Aylas flachem Bauch.

„Sag deine Wohltätigkeitsessen diese Woche ab", befahl Heda mit scharfem, arrogantem Ton. „Du gehst in die Privatklinik für eine Fruchtbarkeitsuntersuchung."

Heda verschränkte die Arme. „Der Familientrust der Farrells verlangt einen Erben mit blaublütiger Genetik, um den Vorstand vor dem Börsengang zu stabilisieren."

Aylas Finger schlossen sich fester um den Griff ihres Buttermessers. Das Metall grub sich in ihre Handfläche.

„Ich habe nicht die Absicht, jetzt ein Kind zu bekommen", sagte Ayla, ihre Stimme sank in eine eiskalte Tonlage.

Hedas Gesicht wurde rot. Sie schlug mit der Hand auf den Esstisch, sodass das Besteck klirrte.

„Du undankbare kleine Göre!", kreischte Heda.

Heda beugte sich vor, ihre Augen voller purem Gift. „Du bist eine falsche Erbin. Du wurdest von der Joyce-Familie wie Müll rausgeworfen. Du hast keinen Hintergrund, keine Abstammung und keinen Wert. Du bist ein fehlerhaftes Produkt, mit dem wir Mitleid hatten!"

Ayla wirbelte mit dem Kopf zu Axel herum.

Drei Jahre lang war er immer eingeschritten. Er hatte immer den Beschützer gespielt, wenn seine Mutter die Grenze überschritt.

Axel blickte auf seine Kaffeetasse hinab. Er sagte kein Wort zu seiner Mutter.

Stattdessen sah er zu Ayla auf und seufzte. „Ayla, du bist schon wieder überempfindlich. Hör auf, es meiner Mutter unangenehm zu machen. Entschuldige dich einfach."

Das Gaslighting traf sie wie ein körperlicher Schlag in die Brust.

Ayla sah die beiden an. Die Mutter, die sie als Zuchtstute betrachtete, und der betrügerische Ehemann, der sie als menschliches Schutzschild benutzte.

Der letzte mikroskopisch kleine Faden der Verbundenheit in ihrem Herzen riss.

Ayla stand so schnell auf, dass ihr schwerer Holzstuhl laut über den Boden scharrte.

Ihre Bewegungen waren scharf, entschlossen und völlig ohne Zögern.

„Hebt euch den Thron der Farrell-Familie für jemand anderen auf, der ihn erben kann", sagte Ayla, ihre Stimme hallte in dem großen Raum wider.

Sie kehrte ihnen den Rücken und ging zur Tür.

„Ayla! Komm sofort zurück!", brüllte Axel, seine Stimme prallte von den Wänden ab.

Ayla hielt nicht an. Sie ging geradewegs aus der Haustür, die Stufen hinunter und in die Garage.

Sie stieg in ihren Porsche 911, schlug die Tür zu und raste aus den Toren des Anwesens, ohne in den Rückspiegel zu blicken.

Kapitel 3

Ayla saß auf dem Fahrersitz ihres geparkten Porsche, ihre Finger schwebten über dem Lenkrad.

Sie hatte gerade die Nummer ihrer besten Freundin Chloe gewählt, als eine Textnachricht auf ihrem Bildschirm aufploppte.

Sie war von Axel.

Wenn du heute Abend nicht zum Silicon Valley Innovation Summit erscheinst, werde ich innerhalb von sechzig Sekunden jede Kreditkarte und jedes Treuhandkonto, das auf deinen Namen läuft, sperren.

Ayla starrte auf die leuchtenden Worte. Ihr Atem stockte.

Sie schloss die Augen und atmete tief und schaudernd ein. Sie brauchte Bargeld, um einen rücksichtslosen Scheidungsanwalt zu engagieren. Wenn er ihr jetzt den Geldhahn zudrehte, wäre sie handlungsunfähig.

Sie legte den Gang ein und zwang sich, das Lenkrad in Richtung San Francisco zu drehen.

Am Abend stieg Ayla vor dem Moscone Center aus einer schwarzen Limousine.

Sie trug ein minimalistisches, maßgeschneidertes schwarzes Abendkleid, das sich an ihre Kurven schmiegte und sie in jeder Hinsicht wie die unantastbare Frau eines Milliardärs aussehen ließ.

Axel wartete bereits am Eingang des VIP-Bereichs am roten Teppich.

In der Sekunde, in der er sie sah, veränderte sich sein Gesicht. Der wütende Tyrann vom Morgen war verschwunden, ersetzt durch eine Maske überwältigender, widerlicher Hingabe.

Er trat vor und schlang seinen Arm um ihre Taille.

Seine Finger gruben sich so fest in ihre Rippen, dass ein stechender Schmerz ihre Wirbelsäule hinaufschoss.

„Lächle", flüsterte Axel ihr direkt ins Ohr, sein Atem heiß auf ihrer Haut. „Wage es ja nicht, den Aktienkurs des Unternehmens für nächste Woche zu ruinieren."

Die schweren Doppeltüren zum roten Teppich schwangen auf.

Eine Wand aus blendenden Blitzlichtern explodierte vor ihren Gesichtern. Reporter schrien ihre Namen.

Aylas Gesichtsmuskeln veränderten sich augenblicklich. Sie setzte das makellose, unantastbare Lächeln auf, das sie als hochkarätige PR-Strategin perfektioniert hatte.

Axel blieb genau in der Mitte des roten Teppichs stehen.

Er griff in die Tasche seines Smokings und zog eine maßgefertigte Samtschatulle von Cartier hervor.

Ein kollektives Keuchen ging durch die Reihen der Presse.

Axel öffnete die Schatulle, nahm ein blendendes, millionenschweres Diamantkollier heraus und trat hinter Ayla, um es um ihren Hals zu befestigen.

Die Kameras klickten wie Maschinengewehre. Reporter riefen Lobeshymnen über die legendäre Liebe des Farrell-CEOs zu seiner Frau.

Axel beugte sich vor und küsste sie auf die Wange. Ayla lächelte für die Linsen, doch ihr Magen krampfte sich heftig vor Übelkeit zusammen.

Sie verließen den Teppich und betraten den riesigen, glitzernden Ballsaal.

Innerhalb von Sekunden wurde Axel von einer Gruppe von Wall-Street-Investoren umschwärmt.

Ayla trat sofort einen Schritt zurück und zog sich in die Schatten am Rande des Raumes zurück. Sie schnappte sich eine Champagnerflöte von einem vorbeigehenden Kellner und beobachtete, wie Axel die Menge bespielte.

Quer durch den Raum bemerkte sie etwas.

Eine leise Vibration summte in der Brusttasche von Axels Smoking.

Axel zog sein privates Handy heraus. Er warf einen Blick auf den Bildschirm, und seine ganze Haltung veränderte sich. Seine Augen verdunkelten sich mit einer besonderen Art von Gier.

Er entschuldigte sich kurz und charmant bei den Investoren, drehte sich um und ging zügig in Richtung der Personalkorridore im hinteren Teil des Veranstaltungsortes.

Ayla stellte ihr Champagnerglas auf einem Stehtisch ab.

Sie kannte den Grundriss des Moscone Center perfekt. Sie hatte die PR-Sicherheitswege für genau diese Veranstaltung entworfen.

Sie schlüpfte durch die Menge, blieb völlig unbemerkt und folgte ihm.

Sie navigierte durch die lauten, chaotischen Küchenkorridore, bis sie den schwach beleuchteten VIP-Lounge-Bereich erreichte.

Am Ende des Korridors stand eine der schweren Lounge-Türen einen Spalt breit offen.

Leises, kehliges Lachen drang aus dem Spalt in der Tür.

Ayla verlangsamte ihre Schritte. Sie drückte ihren Rücken gegen die kalte Wand, glitt näher und spähte durch den schmalen Spalt.

In der Lounge hatte Axel eine Frau gegen die Rückenlehne eines Ledersofas gedrückt. Er küsste sie aggressiv.

Die Frau trug ein tief ausgeschnittenes rotes Abendkleid.

Es war Kristal. Die brillante, wunderschöne Direktorin für das Auslandsgeschäft der Farrell Group.

Kristal kicherte und stieß Axel leicht zurück. Sie fuhr mit ihren manikürten Fingern seine Kieferpartie entlang.

„Du warst da draußen auf dem roten Teppich ein bisschen zu überzeugend", beschwerte sich Kristal und schürzte die Lippen.

Axel stieß ein dunkles, spöttisches Lachen aus. „Das ist nur PR für die alten Fossilien im Vorstand. Ayla ist nichts weiter als eine Requisite."

Draußen vor der Tür fühlte es sich für Ayla an, als hätte ein Vorschlaghammer gerade ihre Rippen zertrümmert.

Es war nicht nur der körperliche Verrat. Es war die vollständige, totale Zerstörung ihrer Menschenwürde.

Ihre Hände zitterten so heftig, dass sie kaum ihr Handy halten konnte.

Sie zog es heraus, schaltete in den Videomodus und hielt das Objektiv an den Spalt in der Tür.

Sie nahm zehn Sekunden auf, wie sie auf dem Sofa ineinander verschlungen waren. Ein klarer, unbestreitbarer Beweis.

Ayla drückte auf Stopp. Sie ließ das Handy zurück in ihre Clutch gleiten.

Sie trat die Tür nicht auf. Sie schrie nicht.

Sie drehte sich um und ging den Gang zurück, ihre Schritte vollkommen lautlos.

Als Ayla zurück in die blendenden Lichter des Ballsaals trat, war der Schmerz in ihrer Brust verschwunden.

Ihre Augen waren tot, erfüllt von nichts als kaltem, berechnendem Mord.

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Du hast mich betrogen? Ich habe einen Milliardär geheiratet

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