Kapitel 3
ARYANA POV:
Als sich die Aufzugtüren schlossen und mich von seiner Welt abschirmten, überkam mich eine Welle aus Euphorie und purem Entsetzen. Freiheit. Ich hielt sie in meiner Hand, ein einziges Blatt Papier, das sowohl meine Befreiung als auch meine Kriegserklärung war.
Gleichzeitig begann ein scharfes, reißendes Gefühl tief in meiner Seele. Die Gefährtenbindung, nun offiziell durch seine eigene Hand getrennt, begann sich aufzulösen. Es war ein Phantomschmerz, ein Schmerz in einem Glied, das nicht mehr da war.
Zurück in dem Penthouse, das mein vergoldeter Käfig gewesen war, war die Stille ohrenbetäubend. Ich ging durch die opulenten Räume und sah sie als das, was sie waren: ein Ausstellungsraum, kein Zuhause. Nichts hier gehörte wirklich mir.
Eine Benachrichtigung plingte auf meinem Handy. Es war eine verschlüsselte E-Mail mit dem Siegel des Mondlichtung-Rates.
„Ihr Antrag wurde genehmigt. Ein Platz in der Künstlerkolonie am Eifelsteig in Rheinland-Pfalz wird für Sie freigehalten. Ankunft in zwei Wochen.“
Es fühlte sich an wie ein Zeichen der Mondgöttin selbst. Ein Weg nach vorn. Ein sicherer Hafen.
Ohne eine Sekunde zu zögern, antwortete ich: „Ich nehme an. Danke.“
Meine nächste Suche galt einem Hinflug nach Köln. Ich buchte ihn, die Bestätigungs-E-Mail war ein Versprechen auf ein neues Leben. Mein Exil.
Die folgenden Tage waren ein Rausch stiller Vorbereitungen. Ich packte nur das ein, was zählte. Meine abgenutzten Pinsel, meine Skizzenbücher voller fieberhafter Visionen, eine Handvoll alter Romane mit rissigen Buchrücken und die wenigen einfachen Kleidungsstücke, die ich besessen hatte, bevor ich die „Gefährtin des Alphas“ wurde.
Die Designerkleider, die glitzernden Juwelen, die Symbole meiner Position – ich ließ sie alle in den riesigen Schränken zurück, wie die abgestreifte Haut eines Lebens, das ich nicht mehr wollte.
Eine seltsame Müdigkeit setzte sich tief in meinen Knochen fest. Eine anhaltende Übelkeit überkam mich jeden Morgen. Ich schob es auf den Stress, auf das seelische Trauma der Zurückweisung. Die Bindung zerfaserte mit jeder Stunde mehr, und der Schmerz war ein ständiges, leises Pochen unter meiner Haut.
Dann, eines Nachmittags, als ich eine Leinwand einwickelte, kam mir ein Gedanke. Ich hielt inne und zählte die Tage an meinen Fingern.
Meine Periode. Sie war überfällig.
Für eine Werwölfin, besonders eine, die mit einem mächtigen Alpha verbunden ist, bedeutete das fast immer nur eines.
Eine schwindelerregende Mischung aus Hoffnung und purer, markerschütternder Angst ließ mein Herz gegen meine Rippen hämmern. Bei einem Ausflug zum Künstlerbedarfsladen trugen mich meine Füße wie von selbst zu einer kleinen Apotheke, die auf unsere Art spezialisiert war.
Ich kaufte einen Schwangerschaftstest, dessen kleine Schachtel ein poliertes Mondblütenblatt enthielt, eine Substanz, die auf die spezifischen Hormone einer Werwolfschwangerschaft reagiert.
Zurück in meinem Atelier, dem einzigen Ort im Penthouse, der sich wie meiner anfühlte, schloss ich die Tür ab. Meine Hände zitterten, als ich den einfachen Anweisungen folgte. Ich erinnerte mich an einen alten Text, den ich gelesen hatte, eine Warnung vor den Kindern von Weißen Wölfen und dominanten Alphas – ihre Macht konnte unbeständig, instabil sein. Eine neue, scharfe und spezifische Angst durchdrang den Nebel.
Dann wartete ich.
Die drei längsten Minuten meines Lebens.
Langsam begann ein schwaches Licht aus dem Inneren des Mondblütenblatts zu leuchten. Es wurde heller und verdichtete sich zu einer einzigen, unverkennbaren Form.
Ein perfekter, leuchtender silberner Mond.
Positiv.
Ich war schwanger.
Und das Leben, das in mir wuchs, war nicht irgendein Kind. Es war der Erbe des Schwarzfels-Rudels, eine unmögliche Verschmelzung eines dominanten Alphas und einer seltenen Weißen Wölfin.
Mein einfacher Plan, zu verschwinden, in Einsamkeit zu heilen, war augenblicklich zerstört. Es ging nicht mehr nur um meine Freiheit.
Es ging darum, mein Kind vor dem Vater zu schützen, der uns beide bereits verstoßen hatte.
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