Kapitel 3
Die automatischen Türen der Krankenhauslobby glitten auf. Der kühle New Yorker Herbstwind traf sie sofort.
Angelo trug einen perfekt sitzenden Anzug. Mit einer Hand schob er Elbas Rollstuhl auf den Bürgersteig. Er hielt an, zog seine Anzugjacke aus und legte sie Elba über die dünnen Schultern. Er fragte nicht; er tat es einfach.
Elba umklammerte die Revers der Jacke. Sie roch nach Zedernholz und teurem Kölnischwasser.
Hat der Tyrann heute die falschen Medikamente genommen? dachte sie, völlig verwirrt. Warum ist er so rücksichtsvoll?
Angelos Lippen krümmten sich ein winziges Stück nach oben. Er ignorierte ihre inneren Kommentare und schob den Rollstuhl zu dem schwarzen Maybach, der am Bordstein stand.
Der Fahrer, Kris Day, eilte herbei. Er riss die hintere Tür auf und verbeugte sich respektvoll. „Mr. Potter."
Elba blickte auf. Sie sah Kris' Gesicht. Ihre Pupillen weiteten sich. Sie zuckte im Rollstuhl mit dem Körper zurück.
Oh mein Gott! Es ist Kris! schrie ihr Verstand panisch. Dieser verkommene Spieler! Nächste Woche wird er die Bremsen manipulieren, um seine Kredithaie zu bezahlen, und Angelo wird bei einem Autounfall sterben!
Angelo beugte sich hinunter, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Er erstarrte. Seine dunklen Augen wurden augenblicklich zu Eis.
Kris lächelte und streckte die Hände aus, um Elbas Arme zu packen.
Angelo schlug Kris' Hände weg mit einem scharfen, heftigen Schlag.
„Zurück", knurrte Angelo. „Ich mache das."
Kris stolperte einen Schritt zurück, sein Gesicht rötete sich. Er senkte den Kopf und verbarg den Aufblitz von Groll in seinen Augen.
Angelo bückte sich. Er schob einen Arm unter Elbas Knie und den anderen hinter ihren Rücken. Mühelos hob er sie hoch, hielt sie fest an seine Brust gedrückt, und setzte sie auf den Ledersitz.
Elba hielt den Atem an.
Seine Muskeln sind wie Felsen, dachte sie, ihr Herz flatterte, bevor die Panik wieder einsetzte. Nein, hör auf, ein Idiot zu sein! Ich kann nicht in dieses Auto steigen!
Angelo glitt neben sie. Er schlug die schwere Tür zu und schloss sie darin ein.
Er zog sein Handy hervor. Seine Daumen flogen über den Bildschirm, wobei er eine verschlüsselte Nachricht an seinen Sicherheitschef schickte.
Kris setzte sich auf den Fahrersitz. Er startete den Motor. Er blickte in den Rückspiegel. „Boss, zurück zum Anwesen auf Long Island?"
Elba umklammerte den Sicherheitsgurt so fest, dass ihre Knöchel schmerzten.
Geh nicht zurück zum Anwesen! schrie sie innerlich. Diese giftige Schlange Georgina hat wahrscheinlich die Treppe geölt und wartet auf mich!
Angelo traf Kris' Blick im Spiegel. Seine Stimme war völlig emotionslos. „Nein. Bring uns zum Manhattan Penthouse."
Kris blinzelte überrascht, aber er legte den Gang ein und reihte sich in den Stadtverkehr ein.
Elba stieß einen langen, zittrigen Atemzug aus.
Gott sei Dank, dachte sie. Das Penthouse ist seine private Festung. Georgina kann dort nicht hinein. Er hat tatsächlich ein Gewissen.
Die Autofahrt verlief völlig geräuschlos. Angelo lehnte den Kopf an die Rückenlehne, schloss die Augen. Sein Handy summte an seinem Oberschenkel. Er öffnete es und drehte den Bildschirm von Elba weg.
Der Sicherheitsbericht wurde geladen. Vorläufige Überprüfungen von Kris Day zeigten mehrere kürzliche Hochrisiko-Überweisungen an bekannte Offshore-Glücksspielparadiese. Es war ein massives Warnsignal, der vollständige Bericht stand noch aus, aber die Implikationen waren offensichtlich.
Angelos Augen schnappten auf. Die Luft im Fond des Maybach wurde schwer von seiner Tötungsabsicht.
Der Wagen fuhr sanft in die Tiefgarage des Manhattan Hochhauses. Kris legte den Parkgang ein und eilte hinaus, um Angelos Tür zu öffnen.
Angelo stieg aus. Er griff hinein und zog Elba heraus, wobei er sie dicht an seiner Seite hielt.
Angelo drehte langsam den Kopf. Er starrte Kris mit Augen an, die wie zersplittertes Glas waren. „Kris. Du bist gefeuert."
Kris' Gesicht verlor jede Farbe. „B-boss? Warum?"
Angelo stieß ein dunkles, humorloses Lachen aus. Er schob seinen Handybildschirm wenige Zentimeter vor Kris' Gesicht und zeigte die Kontoauszüge. „Muss ich die Polizei rufen wegen Ihrer Absicht, Bestechungsgelder anzunehmen und meine Fahrzeuge zu sabotieren?"
Kris' Knie knickten ein. Er brach auf den Betonboden zusammen, nach Luft ringend.
Elba stand wie erstarrt da. Ihr fiel der Kiefer herunter.
Woher wusste er das?! dachte sie, ihr Verstand raste. Hat er mir einen Mikrochip ins Gehirn gepflanzt?!