Kapitel 3

Gerard Todd, Kristians stets pflichtbewusster Assistent, zögerte kurz, bevor er fragte: „Soll ich schon mal ein Restaurant reservieren, Boss?“

Kristian rieb sich die Schläfen, Ärger flackerte über sein Gesicht. „Nicht nötig.“

Er wusste, dass Freya ihrem Frust Luft machte. Wenn sie Geld ausgab, um sich abzureagieren, sollte sie es tun – er würde ihr freie Hand lassen.

Kaum hatte er das gesagt, vibrierte sein Handy. Eine weitere Warnung – über dreißig Millionen waren soeben von seinem Konto verschwunden.

Gerard senkte den Blick, während die vier Bodyguards stocksteif dastanden. Ihre Arme waren schwer beladen mit Einkaufstüten – sie waren stumme, überforderte Packesel.

Freya kam aus der Schmuckboutique und drückte Gerard lässig ihren neuesten Fund in die leeren Hände. Gerade als sie sich abwenden wollte, klingelte Kristians Handy.

Sein ganzer Körper reagierte – seine Schultern entspannten sich, die Stirn glättete sich, als er auf das Display sah. Mit langen Fingern hob er das Telefon, seine Stimme plötzlich ungewohnt sanft. „Hallo, Ashley.“

Gerard und die Bodyguards tauschten überraschte Blicke. Hatte ihr Boss vergessen, dass Freya direkt neben ihm stand?

„Ashley hatte auf dem Weg zum Krankenhaus einen Autounfall. Sie ist bewusstlos – noch in der OP“, platzte es panisch aus dem Hörer. „Bitte komm. Sie hat deinen Namen gerufen, bevor sie eingeliefert wurde.“

„Schick mir die Adresse. Ich bin unterwegs.“ Kristians Brust zog sich zusammen, die Worte scharf vor Dringlichkeit.

Er legte auf und sein Blick wanderte zu Freya.

Eine Erklärung lag ihm auf den Lippen – doch er schluckte sie hinunter. Stattdessen wandte er sich an Gerard und die Bodyguards. „Bleibt bei ihr. Kauft, was immer sie will. Wenn's nicht ins Auto passt, soll es bis heute Nachmittag geliefert werden.“

„Ja, Boss“, antworteten alle fünf im Chor.

Ohne ein weiteres Wort verschwand Kristian, ließ Freya und die Männer wortlos zurück.

Ein unangenehmes Schweigen senkte sich über die Gruppe.

Gerard rückte seine goldgeränderte Brille zurecht und zwang sich zu einem höflichen Lächeln. „Frau Shaw, machen Sie sich keine Sorgen. Herr Shaw kommt zurück, sobald er die Angelegenheit geklärt hat.“

„Was für ein loyaler Angestellter“, murmelte Freya, ihr Ton schwer zu deuten.

Gerard blinzelte, irritiert von ihrer Reaktion.

Freya betrachtete die funkelnden Kronleuchter des Einkaufszentrums und sprach langsam: „Sein Assistent zu sein ist das eine. Aber seine Drecksarbeit zu erledigen? Sag mir, Gerard – hast du schon einmal gesehen, wie ein Mann seine Ehefrau mitten auf einem Date stehen lässt, um zu seiner Geliebten zu rennen?“

Die Bodyguards erstarrten; Gerards Lächeln gefror.

Einen Moment lang sahen sie sie alle an – mit etwas, das verdächtig nach Mitleid aussah.

Vielleicht war das der Preis dafür, in Reichtum eingeheiratet zu haben – zu wissen, dass der eigene Ehemann eine andere Frau bevorzugte, während man selbst den Kopf hinhalten musste.

„Spar dir das Mitleid.“ Freya schnaubte, amüsiert über ihre Blicke. Sie deutete auf die Taschen, die sie schleppten. „Eine davon reicht locker für ein Jahresgehalt. Vielleicht sogar für zehn.“

Der Schlag saß.

Sie setzte nach: „Na, irgendetwas, das euch gefällt?“

Fünf Paar Augen weiteten sich synchron.

Freya dachte auf eine Weise, der sie nicht folgen konnten.

„Wenn er schon den Helden für seine Süße spielt, sollten wir sein Geld wenigstens sinnvoll verschwenden.“ Sie ließ die schwarze Karte durch ihre Finger tanzen, ihre Stimme nun leiser.

Der Stich überraschte sie. Sie hatte nicht erwartet, dass Kristians Abgang sie noch immer so verletzte.

Im Moment wollte sie nur eines – sein Konto bis auf den letzten Cent leeren.

Gerard und die Bodyguards starrten sie fassungslos an.

Erfreut über ihre Reaktion, setzte Freya ihre Shoppingtour fort, die Karte wie eine Waffe fest in der Hand.

Sie war überzeugt, dass Kristian den ganzen Tag im Krankenhaus bleiben würde. Doch kaum hatte sie sich zum Essen hingesetzt, tauchte er auf – wie ein Sturm, der durch die Wärme des Restaurants fegte.

Bevor jemand reagieren konnte, packte er Freyas Handgelenk und zerrte sie mit sich Richtung Parkplatz, sein Griff stählern.

Ihr Rücken knallte gegen die Autotür, Schmerz durchzuckte sie. Sie verzog das Gesicht. Was zur Hölle war sein Problem?

Sein Vorwurf traf wie ein Peitschenhieb. „Warum hast du Ashley verletzt?“

Kristian bebte vor unterdrückter Wut. „Du hast diesen Fahrer engagiert, oder? Ich hab dir alles gegeben – Haus, Auto, Geld. Was willst du noch? Warum hast du sie trotzdem verletzt?“

Er sah aus wie die personifizierte Rache – seine Augen eiskalt.

„Wann bitte soll ich –“, Freyas Verwirrung war echt.

„Immer noch lügen?“ Seine Stimme hätte Glas gefrieren lassen. „Du hast das geplant. Du hast dir genau heute ausgesucht, weil du gewusst hast, dass ich abgelenkt sein würde, während dein Handlanger sie über den Haufen fährt. Du weißt genau, ich würde eher sterben, als sie leiden zu lassen.“

Sein Ton war arktische Kälte, die Art von Frost, der in die Knochen kriecht und den Rücken versteifen lässt.

Freyas anfängliche Wut schmolz – nicht zu Milde, sondern zu etwas Kühlerem, Schärferem. Seine absurde Anschuldigung wirkte wie ein Schlag, der ihre Wut auslöschte und nichts als eisklare Nüchternheit zurückließ.

Sie sah ihm in die Augen, ihre Lippen verzogen sich verächtlich. „Wie poetisch. Du machst aus Verrat eine tragische Romanze.“

„Freya Briggs!“ Kristians Beherrschung bröckelte, sein Ruf war roh, eine letzte Warnung.

„Du spinnst.“ Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper, gesellschaftlicher Status hin oder her. „Denk doch mal nach. Warum sollte ich meinen Neuanfang sabotieren – meine Freiheit – für jemanden wie sie?“

„Du weißt ganz genau, warum.“ Seine Stimme senkte sich, scharf wie eine Klinge an ihrem Hals.

Ein Gedanke flackerte in ihr auf. „Ah. Du glaubst, ich bin immer noch besessen von dir?“

Kristian sagte nichts, doch sein verkrampfter Kiefer und das Lodern in seinen Augen waren Antwort genug.

„Warum sollte ich dich noch wollen?“ Freyas Lachen klang spröde, fast schmerzhaft. „Nach allem, was war? Nach dem Platzhalter-Dasein? Nach deinem Betrug? Nachdem ich zusehen musste, wie du dich um eine andere drehst und windest?“

Ihre Worte schlugen ein wie Ohrfeigen.

Kristian erstarrte. „Ich habe dich nicht betrogen“, presste er hervor.

„Du hast ihr dein Herz geschenkt, während du meinen Ring getragen hast.“ Ihr Lächeln war tödlich. „Das ist Betrug.“

„Genug jetzt mit deinen Ablenkungsmanövern!“, fauchte er.

„Du bist doch diejenige, die sich in Wahnvorstellungen verstrickt!“

Stille. Kristian musterte sie, als würde er sie zum ersten Mal wirklich sehen. Sein Blick war erdrückend.

Aber Freya wich keinen Millimeter. „Also behauptet sie, ich hätte jemanden angeheuert, der sie umbringen sollte – und du hast ihr einfach geglaubt?“

„Ja.“ Sein Zorn wankte unter ihrem unbeirrbaren Blick, aber die Kälte blieb. „Ashley hat nicht gelogen. Und sie hat Beweise.“

Freyas Brauen hoben sich.

Ihre Finger krallten sich in den Riemen ihrer Tasche, die Knöchel traten weiß hervor. „Perfekt. Dann fahren wir ins Krankenhaus. Sofort.“

Kristian blinzelte. Ihre sofortige Zustimmung traf ihn unvorbereitet.

Schuldige Menschen forderten keine Konfrontation heraus.

Zweifel krochen in ihm hoch. War der Beweis gefälscht?

„Los.“ Ihr Befehl zerschlug seine Gedanken.

Er ließ ihr Handgelenk los, irritiert von ihrer Ruhe. Etwas Hässliches regte sich in seiner Brust – Ärger? Schuld? Bevor er es benennen konnte, zog er die Schlüssel hervor und riss die Wagentür auf.

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Sie nahm das Haus, das Auto und mein Herz

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