Kapitel 3
„Ich wünschte, du wärst meine richtige Schwägerin“, flüsterte Katharina Dahlia zu, laut genug, dass es jeder hören konnte.
Beate eilte herbei, ihr Gesicht erstrahlte in einer echten Wärme, die ich bei ihr mir gegenüber noch nie gesehen hatte. „Dahlia, mein liebes Mädchen. Es ist zu lange her. Du siehst wundervoll aus.“
Da standen sie, der Keller-Clan, umschwärmten Dahlia und ignorierten mich völlig. Sie hatten keine Scham.
Mein Herz, das sechs lange Jahre geschmerzt, gebrochen und versucht hatte zu heilen, wurde endlich zu Eis. Jeder letzte Funken Wärme, den ich für diese Leute empfunden hatte, verflog.
Ich erinnerte mich an den Gestank der Verzweiflung, der vor sechs Jahren am Namen Keller hing. Ein massiver Finanzskandal, in den der General verwickelt war, war aufgeflogen. Ihre Ländereien wurden beschlagnahmt, ihre Konten eingefroren. Sie standen kurz davor, alles zu verlieren.
Dahlias Familie, die enge Verbündete gewesen war, packte ihre Koffer und floh mit ihrem verbliebenen Vermögen, um die Kellers allein den Geiern zu überlassen. Dahlia hatte per Kurznachricht mit Florian Schluss gemacht und ihn in seiner dunkelsten Stunde im Stich gelassen.
Er war am Boden zerstört.
Und dann war da ich. Ich war ein aufsteigender Stern in der medizinischen Welt, bereits unglaublich reich. Ich war mit Florian zusammen. Ich sah den Schmerz seiner Familie. Also griff ich ein.
Ich schrieb einen Scheck über fünf Millionen Euro.
Ich bezahlte im Alleingang ihre Schulden und rettete ihren „prestigeträchtigen“ Familiennamen.
Aus einem Gefühl der Dankbarkeit, oder vielleicht der Verpflichtung, bat Florian mich, ihn zu heiraten. Ich nahm an, in der Hoffnung, dass die Liebe wachsen würde.
Das tat sie nie.
Er nahm es mir übel. Er nahm mir seine Abhängigkeit übel. Andere Soldaten in seiner Einheit verspotteten ihn dafür, dass er vom Vermögen seiner Frau lebte.
Aber ich hatte gehofft. Ich steckte alles, was ich hatte, in diese Familie, im Glauben, ich könnte das Zuhause aufbauen, das ich nie hatte.
Ich sah sie jetzt an, wie sie Dahlia umkreisten, als wäre sie eine heimkehrende Königin.
Sie schuldeten mir alles. Ihr Zuhause. Ihren Ruf. Ihre schiere Existenz.
Ich bezahlte seit sechs Jahren Katharinas Rechnungen. Nicht nur ihre achtzigtausend Euro Studiengebühren pro Jahr. Ich bezahlte ihre Kleidung, ihre Urlaubsreisen, ihr Auto. Ich kaufte ihr ihre erste Designerhandtasche, eine Chanel, die mehr wert war als Florians Monatsgehalt.
Ich war ihr mehr eine Mutter gewesen, als Beate es je war.
Ich gab Hugo und Beate ein monatliches Taschengeld von zwanzigtausend Euro. Ich kaufte ihnen alle zwei Jahre neue Autos. Ich bezahlte für die besten Ärzte und Behandlungen, als ihre Gesundheit nachließ.