Kapitel 3

Ich brauchte Luft, echte Luft, nicht die parfümierte, süßliche Atmosphäre der Party.

Ich schlüpfte durch die Personaltür in eine Gasse, der Gestank von Mülltonnen war eine willkommene Abwechslung.

Mein Handy summte. Elisabeth.

„Liv, es ist schlimmer, als wir dachten“, sagte sie ohne Umschweife. „Er ist der Vater. Vaterschaft bestätigt. Er hat vor Monaten eine Wohnung für sie im Lehel gemietet. Er führt ein Doppelleben.“

Jedes Wort war ein Hammerschlag.

Genau in dem Moment hörte ich Stimmen von drinnen, in der Nähe der Personaltür. Michaels Stimme.

„… mach dir keine Sorgen, Richard, Liv ist nur emotional. Du weißt schon, die Schwangerschaftshormone.“

Richard, einer von Michaels ältesten Freunden, jemand, der bei unserer Hochzeit Trauzeuge gewesen war.

„Trotzdem, Mann, dass sie dich hier sieht … das ist hart“, sagte Richard mit einem Anflug von Unbehagen in seiner Stimme.

Michael lachte, ein leises, abfälliges Geräusch.

„Sie wird darüber hinwegkommen. Das tut sie immer. Liv liebt mich zu sehr, um jemals wirklich zu gehen. Außerdem, wohin sollte sie gehen? Sie braucht mich.“

Mein Blut gefror in meinen Adern.

Die Gefühlskälte, die absolute Gewissheit in seiner Stimme.

Er glaubte wirklich, ich sei sein Besitz, eine berechenbare Puppe, die weinen und dann verzeihen würde.

„Und Selina?“, fragte Richard.

„Selina versteht die Situation. Sie ist geduldig. Sie weiß, dass ich mich um Liv kümmern werde.“

Mich um mich kümmern. Als wäre ich ein Problem, das man managen muss.

Ich presste mich gegen die Ziegelmauer, die raue Oberfläche grub sich in meinen Rücken.

Der Ekel war etwas Körperliches, das mir in der Kehle hochstieg.

Er war nicht nur hinterhältig. Er war verächtlich.

Er hielt mich für schwach.

Er dachte, meine Liebe zu ihm sei eine Kette, mit der er mich für immer fesseln könnte.

Die Verzweiflung war ein schweres Gewicht, das meine Brust zerdrückte.

Er hatte keine Ahnung.

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Die Wahrheit über seine Geliebte

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