Kapitel 3

Der Kaufman-Konvoi war eine Festung auf Rädern. Drei schwarze Subaru-SUVs standen auf dem Seitenstreifen der I-94, die Warnblinker blitzten im Wolkenbruch. Private Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren hielten Wache, ihre Haltung war angespannt.

Miller hielt mit dem ramponierten Lincoln hinter ihnen an.

„Bleib hier", befahl Kaela.

Sie stieg aus und umklammerte einen ramponierten Erste-Hilfe-Kasten, der Dinge enthielt, die keine Apotheke verkaufte. Sie ging mit erhobenen Händen auf den Konvoi zu und zeigte einen digitalen Token auf dem Display ihres Handys.

Ein Wachmann trat vor, die Waffe im Anschlag. „Zurück."

„Onyx hat mich geschickt", sagte sie, ihre Stimme von der Maske gedämpft. Sie ließ den Bildschirm aufleuchten. Der Code wechselte: Zeus-Priority-Alpha.

Der Wachmann senkte seine Waffe und sprach in seinen Knopf im Ohr. „Lasst sie durch."

Er führte sie zum mittleren SUV. Die Tür glitt auf.

Der Geruch schlug ihr als Erstes entgegen. Antiseptikum, kalter Schweiß und darunter der schwache, metallische Hauch von Blut, gemischt mit Sandelholz.

Ein Mann lag zurückgelehnt in einem Kapitänssessel. Selbst blass und schwitzend war Barron Kaufman umwerfend. Hohe Wangenknochen, eine Kieferpartie, die Glas hätte schneiden können, und dunkles Haar, das ihm an der Stirn klebte. Seine Augen waren fest zugekniffen, seine Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen, flachen Zügen.

Eine Frau in einem weißen Kittel – Dr. Sterling – beugte sich über einen Monitor. „Tachykardie. 140 Schläge pro Minute. Er halluziniert. Die Beruhigungsmittel wirken nicht."

Kaela stieg ein. Die Tür glitt zu und schloss den Regen aus.

„Sie sind die Spezialistin?", höhnte Sterling und blickte auf Kaelas schlammige Stiefel und den übergroßen Kapuzenpullover. „Sie sehen aus wie ein Penner."

Kaela ignorierte sie. Sie streckte die Hand aus und legte zwei Finger auf Barrons Halsschlagader.

Seine Haut war glühend heiß. Unter ihren Fingerspitzen flatterte sein Puls wie ein gefangener Vogel. Doch in dem Moment, als sie ihn berührte, zuckte er zusammen. Seine Muskeln verkrampften sich, steinhart, und dann... hielten inne.

Eine seltsame Stille überkam ihn.

Kaela beugte sich vor. Sie schnupperte an der Luft in der Nähe seines Halses. Sandelholz. Und noch etwas. Ein bitterer, chemischer Geruch, der aus seinen Poren drang.

Datura und synthetisches Scopolamin.

„Er hat keine Panikattacke", sagte Kaela mit tonloser Stimme. „Er befindet sich in einer luziden Albtraumschleife. Sensorische Überlastung."

Sie öffnete ihren Kasten und zog eine kleine Sprühflasche hervor, die mit einer trüben, bernsteinfarbenen Flüssigkeit gefüllt war.

„Was ist das?", kreischte Sterling. „Das ist nicht von der FDA zugelassen! Sie können nicht..."

„Halten Sie den Mund", sagte Kaela. Sie blickte nicht auf. Sie sprühte den Nebel direkt in Barrons Gesicht. „Es ist konzentrierte Alraunenwurzel und Betablocker. Es unterdrückt den Lärm."

Barron atmete den Nebel ein.

Fast augenblicklich hörte seine Brust auf, sich zu heben und zu senken. Der Monitor piepte – ein langsamerer, gleichmäßiger Rhythmus. 130... 110... 90... 80.

Sterling starrte mit offenem Mund auf den Bildschirm. „Das ist... unmöglich."

Barron lag still da. Seine Augen waren geschlossen, aber seine Gedanken rasten. Das Schreien in seinem Kopf – der Bohrer, das Feuer, der Aufprall – war verstummt. Ersetzt durch eine kühle, dunkle Leere. Und ein Duft. Regen, Ozon und etwas Kräuterartiges.

Er spürte eine Hand an seinem Hals. Kühl. Fest. Erdend.

Zum ersten Mal seit Monaten war der Schmerz verschwunden.

Kaela verschloss die Flasche. Sie wandte sich an Sterling. „Sagen Sie Alistair Kaufman, dass jemand seinen Enkel langsam vergiftet. Das ist kein SHT. Es ist eine Vergiftung."

Sterling erbleichte. „Wer sind Sie?"

Kaela zog ihre Kapuze tiefer ins Gesicht. „Jemand, der bezahlt wurde."

Ihr Handy summte. Überweisung abgeschlossen. 50.000 $.

Sie wandte sich zum Gehen.

Plötzlich schoss eine Hand hervor.

Barrons Finger schlossen sich um den Saum ihres Kapuzenpullovers. Sein Griff war erdrückend. Seine Fingerknöchel wurden weiß. Es war nicht der schwache Griff eines Invaliden. Es war der verzweifelte Anker eines Ertrinkenden.

Kaela erstarrte. Sie versuchte, sich loszureißen. Er ließ nicht los.

„Es ist... ein Spasmus", stammelte Sterling. „Ein postiktaler Reflex."

Kaela blickte auf die Hand hinab. Adern traten auf der Haut hervor. Er war stark. Zu stark.

Sie beugte sich hinunter, bis ihr maskiertes Gesicht nur wenige Zentimeter von seinem Ohr entfernt war.

„Lass los, reicher Junge", flüsterte sie. „Ich weiß, dass du wach bist."

Barrons Finger zuckten. Er hielt noch eine Sekunde länger fest – eine Herausforderung – und dann, langsam, absichtlich, lösten sich seine Finger.

Kaela zog sich zurück und stieg aus dem Fahrzeug in den Regen.

Im Inneren des SUVs öffnete Barron Kaufman seine Augen. Sie waren dunkel, klar und fokussiert. Kein Wahnsinn lag in ihnen. Nur der kalte, berechnende Blick eines Raubtiers, das gerade eine neue Fährte aufgenommen hatte.

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Die verstoßene Erbin: Vermählt mit meinem tödlichen Ehemann

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