Kapitel 2
„Ja." Bruces Bestätigung traf mit vernichtender Endgültigkeit.
Das Gewicht dieses einzigen Wortes hallte in Corrines Brust wider, jede Sekunde brachte neue Wellen erstickenden Schmerzes.
Sein gemurmeltes „Tut mir leid" verhallte bedeutungslos in der aufgeladenen Luft, während er eilig davonlief.
Corrine blieb wie angewurzelt stehen und sah zu, wie sich seine Gestalt immer mehr zurückzog. Der Schmerz in ihrer Brust verstärkte sich, als würde jemand ihr Herz sorgfältig mit einem kühlen, scharfen Messer aushöhlen.
Eine lähmende Kälte kroch von ihren Füßen hinauf und ergriff langsam ihren gesamten Körper.
Unaufgefordert drängten sich die Erinnerungen in ihren Kopf. Als Bruce die angeschlagene Ashton-Firma übernahm, stand sie kurz vor dem Bankrott.
Er hatte damals zugegeben, ihr keine sichere Zukunft bieten zu können, doch er versprach ihr die Ehe, sobald sich die Lage stabilisierte.
Sie hatte an diesem Versprechen festgehalten, hatte ihre eigenen Kontakte und ihren Einfluss genutzt, um ihn aus der Bedeutungslosigkeit in die Geschäftswelt zu katapultieren – alles in der Hoffnung, ihre gemeinsame Zukunft zu sichern und die Zustimmung ihrer Familie zu gewinnen.
Nun trat die Wahrheit in brutaler Klarheit zutage – ihre drei gemeinsamen Jahre waren für ihn nichts weiter als ein geschäftlicher Handel gewesen.
In dieser Farce aus Liebe war sie die Einzige gewesen, die wirklich gefühlt hatte.
Jahre der Hingabe und des Verzichts zerfielen zu Staub – bedeutungslos im Schatten seiner wahren Liebe.
Obwohl sie es verzweifelt versuchte, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. Ihr Körper bebte unter der Last des Verrats.
Rita beobachtete Corrines Elend mit unverhohlener Genugtuung. „Corrine, hast du wirklich geglaubt, mein Bruder würde jemanden wie dich wählen? Ein schlichtes Landei ohne Bildung oder Herkunft? Erspare uns das Drama und verschwinde einfach!"
Ihre Worte bohrten sich wie Eiszapfen in Corrines Brust. „Der Erfolg der Familie Ashton ist einzig und allein mein Verdienst! Habt ihr das etwa vergessen?"
„Hör auf mit diesem Unsinn!" Rita fuchtelte mit dem Finger in ihre Richtung. „Glaubst du wirklich, du wärst so unersetzlich? Die Ashtons wären auch ohne dich erfolgreich geworden!"
Jedes ihrer Worte grub sich tiefer in Corrines Wunden. So also sah die Familie Ashton ihren Beitrag.
Tracy Ashton, Bruces Mutter, erhob sich mit gewohnter Anmut und trat mit abfälligem Blick auf Corrine zu.
„Genug dieses Spektakels", sagte sie, ihr Ton von unverhohlener Verachtung geprägt. „Du blamierst dich nicht nur selbst, sondern bringst auch noch den Ruf der Familie Ashton in Gefahr."
Mit dieser abweisenden Geste drehte sie sich um, entschuldigte sich höflich bei den Gästen und verabschiedete sie mit makelloser Fassade.
Corrine beobachtete, wie die Menge sich zerstreute. Aus ihrer Traumhochzeit war eine grausame Farce geworden.
Wieso hatten all ihre Liebe und Opfer nur Ablehnung eingebracht?
War es ihr größter Fehler gewesen, einen Mann zu lieben, der nicht dazu fähig war, ihre Gefühle zu erwidern?
Neue Tränen rannen über ihre Wangen, als sie die Augen schloss – die bittere Realität legte sich schwer auf ihr Herz.
Dreißig Minuten später wanderte sie ziellos durch die leeren Straßen, eine verlorene Seele ohne Richtung.
Es begann zu regnen. Aus dem sanften Nieseln wurde ein unbarmherziger Wolkenbruch.
In der Ferne entdeckte sie eine Bushaltestelle – ihr einziger Schutz vor dem Regen. Barfuß rannte sie los, aber das Schicksal war noch nicht mit ihr fertig. Ein scharfer Stein schnitt sich in ihre Fußsohle, zwang sie zum Humpeln.
Plötzlich durchschnitt das durchdringende Hupen eines Autos das Rauschen des Regens.
Die grellen Scheinwerfer rasten auf sie zu. Corrines Augen weiteten sich vor Entsetzen, ihre Pupillen zitterten – der Tod kam näher.
Kapitel 3
Corrines Gedanken leerten sich wie ein umgestürztes Glas, ihre Füße fühlten sich plötzlich schwer wie Blei an.
Der Wagen raste an ihr vorbei – ein schwarzes Geschoss, das Raum und Zeit durchbrach.
Die heftige Druckwelle schleuderte sie zu Boden, der Aufprall auf dem harten Asphalt raubte ihr den Atem.
In dieser verlassenen Straße sprach alles dafür, dass der Fahrer einfach in der Nacht verschwinden würde – keine Zeugen, keine Konsequenzen, keine Spur, die ihm folgen könnte.
Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Der Motor knurrte auf, der Wagen setzte zurück und kam nur wenige Zentimeter neben ihr zum Stehen.
Die Beifahrertür schwang mit bedachter Eleganz auf, und eine Gestalt trat heraus. Maßgefertigte, schwarze Lederschuhe berührten den nassen Asphalt, während ihr Besitzer sich aufrichtete und einen tiefschwarzen Regenschirm aufspannte, der sie vor dem unbarmherzigen Regen schützte.
„Alles Ok?" Die tiefe Stimme von Nate Hopkins schnitt durch die regennasse Luft.
Corrine hob den Blick und nahm ihn zum ersten Mal bewusst wahr. Sein Gesicht war ein Kunstwerk aus Präzision – scharf geschnittene Konturen, edle Züge, die von aristokratischer Eleganz sprachen.
Doch es waren seine Augen, die eine unerklärliche Vertrautheit in ihr weckten – ein leises Echo der Erinnerung, das sich ihrer Wahrnehmung entzog.
„Es geht mir gut, danke …" Ihre Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern.
Der Versuch, sich aufzurichten, endete in einem scharfen Schmerz, der ihr durch das aufgeschürfte Bein und die verletzte Fußsohle fuhr. Sie verlor das Gleichgewicht – und fiel.
Bevor die Schwerkraft sie erneut in ihre Hände nahm, umfasste ein starker Arm ihren Bauch und zog sie gegen eine unerschütterliche Wand der Stärke.
Kälte strömte von Nate aus, doch ihre Hände spürten die feste Wärme seines Körpers unter dem Stoff seines Mantels.
Die widersprüchlichen Empfindungen raubten ihr für einen Moment die Orientierung. Instinktiv wollte sie sich losreißen, doch Nate verstärkte seinen Griff und hob sie mit müheloser Leichtigkeit in seine Arme.
„Was tun Sie da? Lassen Sie mich runter!" Corrines Stimme war eisig, genau wie der plötzliche Frost in ihrem Blick.
Diese Nähe fühlte sich falsch an – selbst Bruce, ihr Partner der letzten drei Jahre, hatte nie mehr als ihre Hand gehalten. Und jetzt hielt ein Fremder sie, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Nates Blick blieb ruhig, seine Stimme von kühler Autorität durchzogen. „Sie sind verletzt. Sie müssen ins Krankenhaus."
„Ich, ich kann alleine gehen", erwiderte Corrine, doch sein naher Atem, seine Präsenz, die kalte Aura, die ihn umgab – all das setzte sie unter Spannung.
„Nicht bewegen." Der Befehl kam tief und bestimmend, ließ keinen Widerspruch zu.
Die kühle Luft im Auto ließ Corrine unwillkürlich niesen.
Nate betätigte die Klimasteuerung, passte die Temperatur an. Als er bemerkte, dass sie zitterte, legte er ihr mit überraschender Sanftheit seinen Mantel über die Schultern. „Passen Sie auf, dass Sie sich nicht erkälten."
„Danke." Der Stoff roch nach ihm – eine Mischung aus Eleganz und unaufdringlicher Wärme. Unwillkürlich beschleunigte sich ihr Herzschlag.
Nate bemerkte das leichte Rot auf ihren Wangen, ein Hauch von Belustigung blitzte in seinen Augen auf. „Eigentlich sollte ich mich bei Ihnen bedanken."
Corrine runzelte verwirrt die Stirn. „Was?"
Sein Blick blieb fest, seine Stimme ruhig wie Stahl. „Danke, dass Sie meine Entschuldigung angenommen haben und mir die Chance geben, es wieder gut zu machen."
Beim Krankenhaus angekommen, bestand Corrine darauf, selbst zu gehen. Nate passte sich geduldig ihrem langsamen Schritt an, bis sie ihr Ziel erreichten.
Als sie nach ihrer Behandlung zurückkehrte, sah sie ihn telefonierend dastehen – seine hochgewachsene Gestalt hob sich scharf von den weißen Wänden des Krankenhauses ab. Bei ihrem Anblick beendete er das Gespräch und reichte ihr eine Visitenkarte. „Hier sind meine Kontaktdaten. Falls Sie etwas brauchen, zögern Sie nicht, mich anzurufen."
„Ich brauche nichts weiter." Ihr Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass sie mit diesem Kapitel abschließen wollte.
Sie hielt ihm seinen Mantel hin. „Hier. Ich werde die Reinigungskosten übernehmen."
Ein schwaches, wissendes Lächeln umspielte seine Lippen, als er auf das Kleidungsstück in ihrer ausgestreckten Hand blickte. „Behalten Sie ihn. Sie brauchen ihn dringender als ich."
Seine Worte waren schlicht, doch sie berührten etwas in ihr, das sie nicht erwartet hatte. Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle, während sie gegen eine plötzliche Welle an Emotionen ankämpfte.
Sie redete sich ein, dass es nur die Erschöpfung war – der Schock, der Herzschmerz, die Ereignisse des Tages. Bestimmt war das der einzige Grund, warum sie sich von der Freundlichkeit eines Fremden so bewegen ließ.
„Danke. Aber ich sollte jetzt gehen", sagte Corrine leise, ihre Stimme von unerwarteter Verletzlichkeit gefärbt. Sie straffte ihre Haltung und ging fort, entschlossen, in Familie Ashton zurückzukehren, um einige wichtige Angelegenheiten zu regeln.
Nate blieb stehen, sein Blick folgte ihr – ein unergründliches Leuchten in seinen Augen. „Wir werden uns wiedersehen."