Kapitel 3
„Brendon!“
„Warte, Brendon!“
Katie und Yolanda riefen fast gleichzeitig, ihre Stimmen überlagerten sich, während sie ihm eilends den Weg abschnitten. Bevor Brendon noch einen Schritt weitergehen konnte, stellten sie sich ihm in den Weg und zwangen ihn zum Anhalten.
„Bitte sag mir nicht, dass du ernsthaft zu dieser Schlampe willst“, fauchte Katie, ihre Stimme vor Fassungslosigkeit angespannt.
Ein Zornesblitz huschte über Brendons Gesicht. „Pass auf, wie du redest, Katie. Diese Haltung ist nicht nur respektlos – sie ist beschämend. Du trägst unseren Familiennamen. Versuch, ihn nicht in den Dreck zu ziehen.“
Yolanda legte Katie sanft eine Hand auf die Schulter, ihre Stimme war ruhig und freundlich: „Brendon, sei nicht so hart mit ihr. Katie ist noch jung, sie meint es nicht so. Wenn du Christina immer noch liebst, sei einfach ehrlich zu mir. Ich werde keine Szene machen. Ich gehe leise.“ Ihre Augen waren rot vor Tränen, und sie wandte sich ab, sichtlich verletzt.
Der Anblick schnürte Brendon das Herz zu. „Yolanda, nein – geh nicht“, sagte er hastig, trat einen Schritt vor und griff nach ihrer Hand. „Du verstehst das falsch. Zwischen Christina und mir ist nichts mehr.“
„Dann sag's mir offen: Gibt es noch einen Teil von dir, der sie liebt? Denn... wenn ja, ich halte das aus. Ich mache dir keine Vorwürfe.“ Yolandas Stimme war leise und zitterte, während sie ihm in die Augen sah.
Brendon konnte den Schmerz in ihrem Blick nicht ignorieren und erwiderte hastig: „Du machst dir zu viele Gedanken. Was Christina heute tut, geht mich nichts mehr an.“
Yolanda legte sanft ihre Hand auf seine, ihre Stimme klang sanft, aber bestimmt: „Vielleicht hat sie ja ihre Gründe, sich so zu kleiden. Vielleicht kämpft sie gerade ums Überleben. Wir sollten ihr helfen.“
Brendon war beeindruckt von Yolandas scheinbarer Güte. „Du hast wirklich ein gutes Herz, Yolanda. Aber mach dir ihretwegen keine Sorgen. Sie kämpft nicht – jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Ich hab ihr genug hinterlassen, damit sie bequem leben kann. Wenn sie sich entscheidet, ihr Selbstwertgefühl wegzuwerfen und sich als Goldgräberin zu verkaufen, dann ist das ihre Sache.“
Yolanda wirkte, als wollte sie noch etwas sagen, doch plötzlich schwankte sie, verlor das Gleichgewicht.
Brendon reagierte blitzschnell und fing sie auf, bevor sie zu Boden gehen konnte. „Yolanda!“ Seine Stimme bebte vor Schreck.
„Mir... mir geht's gut. Es ist nur zu laut hier. Mir ist ein bisschen schwindlig. Lass uns zurück in den privaten Raum gehen.“ Yolandas Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, während sie sich an ihn lehnte.
Brendon stützte sie, die Stirn besorgt gerunzelt. „Du hättest im Krankenhaus bleiben und dich noch ein paar Tage ausruhen sollen. Du hättest nicht auf deiner Entlassung bestehen dürfen.“
Er wandte sich an Katie: „Katie, bring sie zurück in den Raum. Ich geh kurz zur Toilette und bin gleich wieder da.“
Misstrauen flackerte in Katies Blick auf wie ein Funke im trockenen Gras: „Du hast doch nicht wirklich vor, dich heimlich mit Christina zu treffen, oder?“
Bevor Brendon antworten konnte, legte Yolanda ihr sanft die Hand auf den Arm. „Schon gut. Wenn Brendon mit Christina reden will, dann lass ihn. Sie ist nicht irgendeine Fremde – sie war mal Teil seines Lebens. So zu tun, als gäbe es sie nicht mehr, lässt sie nicht verschwinden. Und wenn ihr fragwürdiges Auftreten heute Abend Gerede auslöst, fällt das nicht nur auf Brendon zurück – das könnte auch dem Namen Dawson schaden.“
„Du bist immer so rücksichtsvoll, Yolanda, sogar gegenüber dieser —“ Katie brach ab, als sie Brendons eisigen Blick bemerkte. Sie erstarrte und schluckte den Rest ihrer Worte herunter.
Einen Moment später wechselte sie den Ton: „Brendon, siehst du denn nicht, dass es Yolanda noch nicht gut geht? Wenn ihr jetzt was passiert, während du hier deine Zeit vergeudest, liegt das an dir!“
Mit einem genervten Seufzer griff Katie nach Yolandas Hand: „Komm, Yolanda. Wir gehen.“
...
Unten trat Christina aus der Damentoilette. Mit einer lässigen Bewegung warf sie ihr Haar zurück – ein kleiner Impuls, der im ganzen Barraum die Blicke auf sie zog. Die Männer drehten sich offen nach ihr um, ihre Blicke verfolgten jede ihrer Kurven mit einer ungenierten Gier.
Nur wenige Meter entfernt stand Brendon stocksteif. Sein Kiefer spannte sich, während er die Szene beobachtete, die Blicke der Männer ließen einen bitteren Stich in ihm aufsteigen. Sie sahen nicht einfach – sie entkleideten sie mit ihren Blicken. Und er verabscheute es.
„Christina Jones!“ Brendons Stimme war tief, aber angespannt vor Gereiztheit.
Christina drehte langsam den Kopf, ihr Blick traf seinen mit kühler Distanz. Sie musterte ihn mit einem langsamen, betont gleichgültigen Blick von oben bis unten, bevor sie antwortete: „Was willst du?“
Ihr Ton war gelassen, unbeteiligt. Als wäre er bloß irgendein Fremder im Getümmel.
Diese Kälte in ihrer Stimme traf einen Nerv. Etwas in Brendon geriet ins Wanken, etwas, das er nicht benennen konnte – noch nicht. Ohne nachzudenken stapfte er auf sie zu und packte sie am Handgelenk. „Du kommst mit mir.“