Kapitel 3
Ayla saß auf dem Fahrersitz ihres geparkten Porsche, ihre Finger schwebten über dem Lenkrad.
Sie hatte gerade die Nummer ihrer besten Freundin Chloe gewählt, als eine Textnachricht auf ihrem Bildschirm aufploppte.
Sie war von Axel.
Wenn du heute Abend nicht zum Silicon Valley Innovation Summit erscheinst, werde ich innerhalb von sechzig Sekunden jede Kreditkarte und jedes Treuhandkonto, das auf deinen Namen läuft, sperren.
Ayla starrte auf die leuchtenden Worte. Ihr Atem stockte.
Sie schloss die Augen und atmete tief und schaudernd ein. Sie brauchte Bargeld, um einen rücksichtslosen Scheidungsanwalt zu engagieren. Wenn er ihr jetzt den Geldhahn zudrehte, wäre sie handlungsunfähig.
Sie legte den Gang ein und zwang sich, das Lenkrad in Richtung San Francisco zu drehen.
Am Abend stieg Ayla vor dem Moscone Center aus einer schwarzen Limousine.
Sie trug ein minimalistisches, maßgeschneidertes schwarzes Abendkleid, das sich an ihre Kurven schmiegte und sie in jeder Hinsicht wie die unantastbare Frau eines Milliardärs aussehen ließ.
Axel wartete bereits am Eingang des VIP-Bereichs am roten Teppich.
In der Sekunde, in der er sie sah, veränderte sich sein Gesicht. Der wütende Tyrann vom Morgen war verschwunden, ersetzt durch eine Maske überwältigender, widerlicher Hingabe.
Er trat vor und schlang seinen Arm um ihre Taille.
Seine Finger gruben sich so fest in ihre Rippen, dass ein stechender Schmerz ihre Wirbelsäule hinaufschoss.
„Lächle", flüsterte Axel ihr direkt ins Ohr, sein Atem heiß auf ihrer Haut. „Wage es ja nicht, den Aktienkurs des Unternehmens für nächste Woche zu ruinieren."
Die schweren Doppeltüren zum roten Teppich schwangen auf.
Eine Wand aus blendenden Blitzlichtern explodierte vor ihren Gesichtern. Reporter schrien ihre Namen.
Aylas Gesichtsmuskeln veränderten sich augenblicklich. Sie setzte das makellose, unantastbare Lächeln auf, das sie als hochkarätige PR-Strategin perfektioniert hatte.
Axel blieb genau in der Mitte des roten Teppichs stehen.
Er griff in die Tasche seines Smokings und zog eine maßgefertigte Samtschatulle von Cartier hervor.
Ein kollektives Keuchen ging durch die Reihen der Presse.
Axel öffnete die Schatulle, nahm ein blendendes, millionenschweres Diamantkollier heraus und trat hinter Ayla, um es um ihren Hals zu befestigen.
Die Kameras klickten wie Maschinengewehre. Reporter riefen Lobeshymnen über die legendäre Liebe des Farrell-CEOs zu seiner Frau.
Axel beugte sich vor und küsste sie auf die Wange. Ayla lächelte für die Linsen, doch ihr Magen krampfte sich heftig vor Übelkeit zusammen.
Sie verließen den Teppich und betraten den riesigen, glitzernden Ballsaal.
Innerhalb von Sekunden wurde Axel von einer Gruppe von Wall-Street-Investoren umschwärmt.
Ayla trat sofort einen Schritt zurück und zog sich in die Schatten am Rande des Raumes zurück. Sie schnappte sich eine Champagnerflöte von einem vorbeigehenden Kellner und beobachtete, wie Axel die Menge bespielte.
Quer durch den Raum bemerkte sie etwas.
Eine leise Vibration summte in der Brusttasche von Axels Smoking.
Axel zog sein privates Handy heraus. Er warf einen Blick auf den Bildschirm, und seine ganze Haltung veränderte sich. Seine Augen verdunkelten sich mit einer besonderen Art von Gier.
Er entschuldigte sich kurz und charmant bei den Investoren, drehte sich um und ging zügig in Richtung der Personalkorridore im hinteren Teil des Veranstaltungsortes.
Ayla stellte ihr Champagnerglas auf einem Stehtisch ab.
Sie kannte den Grundriss des Moscone Center perfekt. Sie hatte die PR-Sicherheitswege für genau diese Veranstaltung entworfen.
Sie schlüpfte durch die Menge, blieb völlig unbemerkt und folgte ihm.
Sie navigierte durch die lauten, chaotischen Küchenkorridore, bis sie den schwach beleuchteten VIP-Lounge-Bereich erreichte.
Am Ende des Korridors stand eine der schweren Lounge-Türen einen Spalt breit offen.
Leises, kehliges Lachen drang aus dem Spalt in der Tür.
Ayla verlangsamte ihre Schritte. Sie drückte ihren Rücken gegen die kalte Wand, glitt näher und spähte durch den schmalen Spalt.
In der Lounge hatte Axel eine Frau gegen die Rückenlehne eines Ledersofas gedrückt. Er küsste sie aggressiv.
Die Frau trug ein tief ausgeschnittenes rotes Abendkleid.
Es war Kristal. Die brillante, wunderschöne Direktorin für das Auslandsgeschäft der Farrell Group.
Kristal kicherte und stieß Axel leicht zurück. Sie fuhr mit ihren manikürten Fingern seine Kieferpartie entlang.
„Du warst da draußen auf dem roten Teppich ein bisschen zu überzeugend", beschwerte sich Kristal und schürzte die Lippen.
Axel stieß ein dunkles, spöttisches Lachen aus. „Das ist nur PR für die alten Fossilien im Vorstand. Ayla ist nichts weiter als eine Requisite."
Draußen vor der Tür fühlte es sich für Ayla an, als hätte ein Vorschlaghammer gerade ihre Rippen zertrümmert.
Es war nicht nur der körperliche Verrat. Es war die vollständige, totale Zerstörung ihrer Menschenwürde.
Ihre Hände zitterten so heftig, dass sie kaum ihr Handy halten konnte.
Sie zog es heraus, schaltete in den Videomodus und hielt das Objektiv an den Spalt in der Tür.
Sie nahm zehn Sekunden auf, wie sie auf dem Sofa ineinander verschlungen waren. Ein klarer, unbestreitbarer Beweis.
Ayla drückte auf Stopp. Sie ließ das Handy zurück in ihre Clutch gleiten.
Sie trat die Tür nicht auf. Sie schrie nicht.
Sie drehte sich um und ging den Gang zurück, ihre Schritte vollkommen lautlos.
Als Ayla zurück in die blendenden Lichter des Ballsaals trat, war der Schmerz in ihrer Brust verschwunden.
Ihre Augen waren tot, erfüllt von nichts als kaltem, berechnendem Mord.